Geschichte entdecken

Noch vor 120 Jahren war das vom Langwasserbach durchzogene Areal im Süden Nürnbergs reines Waldgebiet. Dann entstand hier ein großer Schießplatz der bayerischen Arme. Nach großen Waldbränden bauten in der 1920er Jahren Arbeitslose Kartoffeln und Getreide an, ehe die Nationalsozialisten das ganz Gebiet als Teil ihres Reichtagsgeländes in Beschlag nahmen. Jetzt entstanden hier das große Märzfeld für militärische Vorführungen, ein neuer Bahnhof und vor allem riesige Barackenlager für die SA, den Reichsarbeitsdienst und die Hitlerjugend und andere Parteiformationen.

Aus diesen Lagern wurden mit Beginn des zweiten Weltkrieges Gefangenlager für Polen, Franzosen und später vor allem für Russen. Die Amerikaner brachten nach Kriegsende auf einem Teil des Lagergeländes Tausende von ehemaligen Fremdarbeitern unter, die nicht mehr in ihre Heimat in der damaligen Sowjetunion und anderen Ostblockstaaten zurückkehren wollten oder konnten. In einem anderen Lagergebiet inhaftierten sie ehemalige Angehörige der SS und Nazigrößen. Als dieses Lager 1949 aufgelöst wurde, fanden hier einige tausend deutsche Heimatvertriebene vor allem aus Schlesien und dem Sudetenland ein Zuhause. Sie waren auch die ersten, die in dem seit Mitte der 1950er Jahre entstehenden modernen „Stadtteil im Grünen“ Wohnungen bekamen.

Beim Bau des neuen Stadtteiles wurde aus dem damaligen Zeitgeist heraus mit den baulichen Überresten der Vergangenheit radikal aufgeräumt, so dass heute kaum etwas daran erinnert. Dabei gibt es wohl kaum irgendwo einen Ort, in dem sich die deutsche Geschichte seit den 1920er Jahren so widerspiegeln könnte wie in Langwasser.